Nach der Lektüre der ZWISCHENRÄUME schickte mir ein Freund, der Künstler Klaus Holitzka diese Rezension:

Zwischenräume
Eine Annäherung an George Penningtons neues Buch

Manchmal genügt ein Blick in ein Inhaltsverzeichnis, um zu ahnen, dass ein Autor nicht bloß ein Buch geschrieben, sondern eine Spur durch sein Leben gelegt hat.

So ging es mir beim Durchblättern von Zwischenräume.

Bereits die Kapitelüberschriften wirken wie Wegweiser auf einer Expedition durch die Landschaft des Bewusstseins. Da ist von psychonautischer Forschung die Rede, von Metaebenen, von Zen, Sufismus, Kabbala, Tarot, Schamanismus, Atem, Wahrnehmung und jenem geheimnisvollen Raum zwischen den Dingen, den wir gewöhnlich übersehen, weil wir so beschäftigt damit sind, auf die Dinge selbst zu schauen.

George Pennington scheint sich dabei nicht auf die Suche nach Antworten gemacht zu haben. Antworten sind meist die Endstationen des Denkens. Interessanter sind die Fragen, die einen weitergehen lassen.

Und genau diesen Eindruck vermittelt das Buch.

Besonders sympathisch erscheint mir der Begriff der „Landkarten“, der sich durch das Werk zieht. Landkarten behaupten nicht, die Wirklichkeit zu sein. Sie helfen lediglich dabei, sich in ihr zu orientieren. Niemand käme auf die Idee, eine Wanderkarte mit dem Odenwald zu verwechseln. Ebenso wenig sollten wir unsere Weltbilder mit der Wirklichkeit verwechseln. Pennington scheint das sehr genau zu wissen.

Das Inhaltsverzeichnis liest sich deshalb nicht wie ein Glaubensbekenntnis, sondern wie die Einladung zu einer Forschungsreise.

Bemerkenswert ist dabei die Offenheit des Ansatzes. Buddhistische Meditation steht neben westlicher Psychologie. Schamanische Reisewege begegnen philosophischen Modellen. Überlieferte Weisheit trifft auf persönliche Erfahrung. Nicht als Konkurrenz, sondern als unterschiedliche Versuche, das vielleicht größte Rätsel überhaupt zu beleuchten:

Was geschieht eigentlich, wenn ein Mensch bewusst wird?

Vielleicht liegt die eigentliche Stärke des Buches gerade darin, dass es den Mut hat, die Zwischenräume ernst zu nehmen. Jene unscheinbaren Bereiche zwischen Denken und Wahrnehmen, Wissen und Staunen, Kontrolle und Hingabe.

Die moderne Welt interessiert sich vor allem für Ergebnisse. Pennington scheint sich für den Raum zu interessieren, aus dem Ergebnisse überhaupt erst entstehen.

Das gefällt mir.

Denn möglicherweise werden die entscheidenden Fragen unseres Lebens nicht in den großen Gewissheiten beantwortet, sondern genau dort, wo wir einen Augenblick innehalten und bemerken, dass zwischen zwei Gedanken etwas erstaunlich Lebendiges wartet.

Oder, um es mit einem gewissen britischen Humor zu sagen:

Während die Menschheit noch darüber diskutiert, was die Antwort auf alles ist, scheint George Pennington bereits neugierig geworden zu sein auf den Raum, aus dem die Frage auftaucht.

Und das ist ein ausgesprochen interessanter Ort.

— Klaus Holitzka